Das Abenteuer Kasachstan beginnt

Asien Kazakhstan
von am 15. Juni 2016

Da saßen wir nun an der Grenzübergang zwischen Russland und Kasachstan seit ziemlich genau 0 Uhr. Die nacht war furchtbar, kaum geschlafen, nur LKW´s neben uns und es war bitterkalt.

Die Grenzübergang

Wir haben überleget das wir einfach ein Tag hier ausharren und dann ab Mitternacht Richtung Grenzposten gehen. Falsch gedacht: nach ca. 10 Stunden ( also 1o uhr vormittags ) kam ein schwerbewaffnete kazachische Soldat in unsere Richtung mit der Frage was wir hier machen und mit der Aufforderung ihm zu folgen, denn in der neutralen Zone können wir nicht bleiben. Wir sind ihm gefolgt und haben die Situation versucht zu erklären. Er fragte woher wir kommen und widerholte ständig money, money – wir wussten schon was er will, haben uns aber dumm gestellt und gesagt „nein, tourist , no money“. Jedenfalls haben wir die Grenzposten passiert und mussten gleich in das Dienstgebäude, wo unsere Visa inspiziert wurde und mehrere Beamte dann diskutiert haben, was Sie mit uns machen sollen. Letzendlich wurden die Dienstgrade immer höher und die Interesse an uns immer mehr. Da für deutsche Staatsbürger Kazachstan eine Visafreiheit von 15 Tagen besteht, wir aber ja bereits eine Visa hatten mit Start -14 Stunden war die Situation verzwickt. Nach ca. 1 Stunde und diversen Telefonaten mit einen Dolmetscher meinte der zuständige Beamte, das er uns zwar nicht passieren lassen könne, jedoch er das doch macht und wir sollen uns doch innerhalb von 5 Tagen registireren und bei der Immigration Police in Oral melden und dort die Sache klären. Nun denn. Hauptsache erste Hürde geschafft und wir konnten weiter fahren.

Welcome to Kasachstan

Where the f… is Kasachstan? –  werden jetzt sicher manche denken: Als Europäer kennt man Kasachstan so gut wie garnicht, ausser vielleicht Borat und das Astana Rad Team rund und Alexandre Winokurow. Aber sonst? Irgendein Staat im Osten aus der ehemaligen Sowjetunion. Und genauso fühlt es sich an. Ab der Grenze und auch generell ab Kasachstan beginnt eine andere Welt, eine andere Reise. Die Steppe, die endlose Weite breitet sich vor einem aus. Es ist eine trockene, staubige, warme Luft. Ab hier wurde uns klar das wir Europa verlassen haben und wir ab jetzt wilde und fremde Länder betreten. Denn die Gesichter der Menschen wurden auch immer orientalischer und wir wurden nun zu den Exoten. Das spüren wir bis heute, wie die Menschen auf uns reagieren, wie zuvorkommend und gastfreundlich sind. Aber auch erstaunt sind und unglaublich finden, was wir tun, Die meisten Menschen  in Zentralasien sind sowieso sehr gastfreundlich und höflich gegenüber Fremden. Kleines Beispiel dafür:

Kasachische Gastfreundschaft

Unsere erste Station bzw Stadt sollte Oral sein, ein paar km von der Grenze entfernt. Wir haben in ein Fahrradladen gefragt ob Sie uns helfen könnten ein gutes und günstiges Hotel zu finden. Ein Kunde, der  auch englisch konnte, hat das mitbekommen und sofort seine Hilfe angeboten. Er hat sein Handy angeboten, so dass wir online ein Hotel buchen konnten und uns dann mit sein Auto zu dem Hotel gelotst und auch gleich gesagt, wenn wir was benötigen oder wir Probleme haben sollten, er kennt sogar den deutschen Konsul, wir könne ihn jederzeit anrufen. Wir waren wirklich sprachlos vor so viel Unterstützung, weil er ja auch seine Familie vor dem Radladen hatte warten lassen.

Visa never End

So haben wir ein weiteren Tag genutzt um (endlich) mal Klarheit über unsere Visa einzuholen. Also ab zu Immigration Police. Dort haben wir versucht die Situation an der Grenze am Tag davor zu erklären. Der Beamte meinte : stupid border guy….hahaha. Na super hilft uns auch nicht viel weiter. Er sagte dann später in sein Büro, das wir das ignorieren können, ab heute läuft die normale 30 Tage Visa und registrieren brauchen wir uns auch nicht. Sein Kollege gegenüber war nach 20 Minuten ziemlich genervt, weil wir dann mit Small Talk immer mehr von unsere Reise erzählt haben. Er bat uns höflichst das wir uns doch jetzt verp….  sollen, das Thema ist ja jetzt durch. „Unsere“ Beamter fragte uns dann, ob er uns zum Hotel fahren kann und hat gleich seine Rufnummer uns gegeben. Die Leute sind ja verrückt hier 🙂

Ach ja, fast vergessen: Sonja hatte ja Geburtstag! Wir haben auf Empfehlung ein schönes Restaurant auf eine Dachterasse über Oral gefunden und auch mal was gegönnt: Endlich wieder Steak! Später waren wir nicht sicher ob das evtl. Pferdesteak war, da es sehr „anders“ war als gewohnt. Aber die Ambiente, der Whiskey und das Bier haben es dann doch wieder gut gemacht und wir haben uns sogar danach auf den Aussichtsplattform getraut, wobei der Boden aus Glas war und es 30 Meter abwärts ging.. uhhh.

Tierische Gefährten

Kasachstan hatte auch noch ein riesen Vorteil: wir konnten endlich wieder zelten! Auch wenn ja nur eine lange Strasse bis nach Shymkent gab, konnte man sich links oder rechts etwas verstecken und wir konnten meistens ein schönen Platz finden. Die „tierischen“ Nachbarn und Zelt Mitbewohner wurden auch exotischer und auch immer mehr. Ich erinnere mich, als ich mich Abends gewaschen habe und mein nassen Handtuch über die Fahrräder legte, haben sich darunter über Nacht hunderte Nachtfalter gelegt. Die dachten wohl, es ist schön feucht und dunkel, der perfekte Platz mitten in der Steppe. Am nächsten früh habe ich erstmal, nachdem ich das Handtuch weggezogen habe, ein riesen Sprung nach hinten gemacht vor Schreck. Danach waren wir ca. halbe Stunde damit beschäftigt die Räder von den Faltern zu befreiern, die sich so richtig faul und bequem gemacht haben. Die Masse an Tieren sollte uns noch öfter begegnen in der Steppe, dazu später mehr. Es gab aber auch „friedlichere“ Tiere wie die Wildpferde: wir saßen kurz vor der Dämmerung im Zelt und auf einmal hörten wir etwas traben, ganz nah. Man denkt ja an alles mögliche, denn normalerweise ist es ja ziemlich still geworden seit wir Russland verlassen haben. Es ist wirkich besonders zu sehen, wenn man dann das Zelt aufmacht und plötzlich eine 20-25 köpfige Wildpferd Familie vor sich hat, die seelenruhig wandern.

Soweit das Auge reicht

Die endlose Weite der Steppe ist schon faszinierend. Zu fahren war die Strecke bis Aral sehr gut. Danach natürlich auch, jedoch sollte später es wesentlich wärmer werden. Wir hatten 30 Tage für Kasachstan und sollten dabei ca. 2000km zurücklegen. d.h. ca. 70km täglich, wenn wir paar Tage Pause machen, dann sogar 80km. Wir waren mittlerweile gut traniert und es wurde auch immer angenehmer zum fahren. Das Wetter war in den ersten Tagen jedoch noch sehr regnerisch und man sollte hier tunlichst vermeiden die Haupstrasse zu verlassen und in eine Nebenstrasse einzubiegen, der nicht asphaltiert ist. Einmal haben wir das probiert, danach musste ich mein Rad von ca 20kg Schlamm befreien. In die Nebenstrasse sind wir nur 3m reingekommen, aber es gab kein hin oder zurück mehr, wie in einen Morast. Je mehr man das Rad geschoben hat, desto mehr hat es an Schlamm aufgenommen. Das natürlich alles bei strömenden Regen. Auch sollte man die Strasse nicht für eine Übernachtung verlassen: einen Nachmittag wollten wir von der Hauptstrasse runter in eine Nebenstrasse, damit wir ein Übernachtungsmöglichkeit abseits der Hauptstrasse finden. An der Kreuzung war eine Tankstelle, von wo aus ein Mann in unsere Richtung schreiend gerannt kam. Wir wussten garnicht was los sei und wollten weiterfahren als er immer energischer wurde. Wir dachten: ok, mal sehen was er so will. Als er zu uns kam meinteer, wir sollen ja nicht in die Nebenstrasse fahren, denn nach 1km sind überall banditen, die gerne die Touristen ausrauben. Wir sollten entlang der Hauptstrasse noch ein paar km fahren und dann können wir das Zelt aufbauen. Wir waren echt baff und haben uns bei ihm für die Hilfe bedankt.

Traurige Nachrichten

Nach ein paar Tagen haben wir dann Aktöbe erreicht. Wir haben über Nachrichten mitbekommen, dass der ISIS dort ein Tag vorher einen Terroranschlag verübt hat und es wohl 20 Menschen ums Leben gekommen sind. Viele einheimische auf den Weg dorthin meinten Aktöbe sei gesperrt und wir können nicht auf der Strasse weiter fahren, es sei zu gefährlich. Natürlch haben wir uns auch viele gedanken gemacht, über Alternativen nachgedacht. Aber letzendlich haben wir es darauf ankommen lassen und trotz flauen Magen uns Richtung Stadt gemacht. An der Stadtgrenze standen schon schwer bewaffnete Sondereinheiten, Polizisten und Militär, die uns dann gefragt haben, woher wir kommen und wohin wir möchten und das es jetzt alles unter Kontrolle sei. Wir sind in Aktöbe trotzdem stets wachsam gewesen und aus Respekt vor den Opfern haben wir darauf verzichtet mit der Kamera durch die Stadt zu Rennen und Bilder zu machen. Letztendlich aben wir nur ein Bild von der letzten Säule bei der Ausfahrt aus der Stadt gemacht.

Aktöbe, aber auch generell in Zentralasien gibt es viele verschiendene Religionen, primär ist aber der Islam. Was das tolle daran ist, das dort eigentlich jede Religion akzeptiert wird. So stand in Aktöbe gegenüber eine Moschee eine orthodoxe Kirche. Wir hatten nicht das Gefühl, das es Konflikte zwischen die Menschen gibt, weil diese unterschiedliche Religionen haben. Das haben wir als sehr positiv empfunden (und tun es immer noch).

On the Road

Aus Aktöbe raus, Richtung Aral, haben wir die ersten Kamele gesehen. Die sollten uns durch ganz Kasachstan begleiten, mal mehr mal weniger. Sie sind wirklich hässlich und das Fell hängt denen einfach so runter als Fetzen. Und gehen können die auch nicht richtig 🙂 Aber bestimmt gut Lasten tragen. Die Tage wurden immer länger und wir sind immer mehr in der Natur und im Wildnis angekommen. Es war ein Traum Abends die Sonnenuntergänge zu sehen, die endlose Weite und die Freiheit zu spüren, nur das Rad und die Natur und eine Strasse. Da sehr viele auch angehalten haben um mit uns ein Foto zu machen, haben wir uns angewöhnt, ebenfalls auch von den „Anhaltern“ ein Foto zu machen. Zugegeben, es wurde viele. Aber man kann sich immer noch vage an jeden einzelnen erinnern. Wir haben nach ein paar tagen ein paar blaue Flecke auf der Navi gesehen und wir waren uns siche, es ist Wasser. Waren auch welche, nur leider extrem salzig, so dass ein Bad unmöglich war. In einen kleinen Dorf, nahe eine diese Seen, haben wir bei eine Familie übernachtet, Sie haben uns quais von der Dorfmitte aufgegabelt, da wir ja an den Strand wollten ( die es ja keine war ). Sie meinten bei Ihnen zuhause wäre es besser und wir sollten doch mitkommen. Wir sind auch die ganz Nacht geblieben. Es waren sehr armen Menschen und wir ahebn auch das erste Mal gesehen, wie Leute ausserhalb von grösseren Ansiedlungen leben. Leider wurde auch ein Bewohner von dort Sonja gegenüber sehr aufdringlich, wir haben die Situation aber unter Kontrolle bekommen. Wir haben die Familie ein paar Geschenke gemacht. Als jedoch am Morgen der „Aufdringlicher-Typ“ nach mehr Geld verlangte, wussten wir das es Zeit war zu gehen.

Nach zwei Wochen hatten wir ungefähr die Hälfte der Strecke zurückgelegt und sollten in Aral ankommen. Es wurde allmählich wärmer. Und ein alter Weggefährte sollte unseren Weg kreuzen….

 

 

 

 

 

 

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