Skip to content Skip to footer

Transit nach Moskau: die Fernstrasse M9

Um nach Moskau zu kommen ist es mit dem Rad am einfachsten, wenn man die M9 als Transit nimmt: Allerdings ist die 600km lang, so ist man ein paar Tage unterwegs.

Wenn man den Schengen Raum verlässt, erlebt man wie es vor gut 30 Jahren in Europa gewesen sein muss, als an die Landesgrenzen noch Einreisekontrollen existierten. Durch 6 (!) Kontrollposten mussten wir durch, bevor wir endlich in Russland waren. 1. Abmeldung Lettland – 2. irgendeine Karte für Russland – 3.  Station Karte wieder weg – 4. Station Kontrolle von Pässen und ausfüllen der Migrationskarte ( die müssen wir ständig dabei haben) – 5. Prüfen der ausgefüllten Migrationskarten und Pässe – 6. erstaunte Blicke von den Grenzposten und Frage wofür der JBL Clip auf unsere Rad hängt und was in dem großen Hintertasche sei-> „Food and Musika“ – meinten wir – er meinte dann (wahrscheinlich) in Russisch: passt scho…und liess uns passieren. Spassibo sagten wir, viele russische Wörter konnten wir ja (noch) nicht.

So richtig konnten wir das ganze jedoch nicht geniessen, da Sonja immer mehr Probleme mit dem Magen hatte und auch starken Durchfall und Krämpfe bekommen hat. Deshalb sind wir noch 45 km gefahren und dann in Sebesch in ein Hotel eingecheckt, wo wir uns dann 2 Tage ausgeruht haben. Es war wirklich auf Messers Schneide ob Sonja ins Krankenhaus musste oder nicht. Zwei Nächte haben wir abgewartet. Sie hatte ab den zweiten Tag Hunger, was ein gutes Zeichen war. Deshalb haben wir uns entschlossen nach zwei Tagen „vorsichtig“ weiter zu fahren. Ihr ging es von Tag zu Tag dann immer besser.

Unterwegs auf der M9 haben wir unterschiedliche Übernachtungen gehabt. Das erste nach Sebesch war ein unscheinbares Kaffee ( in Russland heissen die meisten Gaststätten einfach nur Kaffee ), die einen Nebenraum hatten. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob es sich dabei um eine temporären „Liebes Dienst Unterkunft“ für Trucker handelte. Jedenfalls hat es so ausgesehen. Für umgerechnet 11€ war das aber unsere günstigste Unterkunft auf der gesamten Reise bis jetzt, wenn man vom Zelten absieht. Wir wurden super freundlich empfangen und es gab sehr gutes Essen. Wir konnten auch unsere restlichen Euros dort tauschen, wobei es dann doch etwas unheimlich war in ein kleinen Raum zu gehen wo 3-4 Männer in der  einen der dunklen Ecken sassen und Ihre 1000 Rubel Scheine gezählt haben. Der eine meinte: „Kurs hier gut, beste, Bank nicht gut“. Da sie ein guten Kurs gemacht haben, sind wir auf das Deal eingegangen.

Auf der Strasse Richtung Moskau haben wir auch eine Nacht im Zelt verbracht. Dafür haben wir ein Fluss ausgesucht , der die Strasse kreuzte. Im Dorf Belitsa haben wir einen älteren Herren angesprochen, der zufällig im Garten stand, ob wir am Flussufer denn zelten könnten. Er meinte das ist kein guter Platz, da es zu viel Schlangen gibt. Na Prost Mahlzeit! Er hat uns dann ein Stück flussaufwärts begleitet und uns ein Anglerplatz gezeigt wo wir dann unseren Zelt aufschlagen konnten. Am nächsten Morgen wollten wir uns für die Hilfe bedanken. Sie haben uns aber gleich noch zum Frühstück und Kaffee eingeladen. Wir hatten uns 2 Stunden, mit Händen und Füssen unterhalten und haben doch das meiste verstanden und viel gelacht.

Die M9 ist lang….sehr lang. Am manchen Tagen sah die Landschaft und die Strasse so aus wie am Tag zuvor. So dachte man, das man im Kreis fährt. Eine gute Orientierung sind jedoch die Kilometer Schilder. Man kann da sich sehr gut ablenken in den man runterzählt, bis ein Schnapszahl kommt wie z.B. km 444 oder 333, oder das man weiss, das man bei km 292 das Motel erreicht und man selbst erst bei 370 ist…. Wir haben unsere Tagespensum, da Sonja es ja immer besser ging, von 80 auf über 105km hochgeschraubt. Alles Gewöhnungssache :).

Auf der Strasse haben wir dann auch neues Getier entdeckt. Ausserdem stehen einige Einheimische am Strassenrand und versuchen Ihre geräucherten Fisch und ausgestopften Bären oder Wölfe an den Mann zu bringen. Für uns war da keine Chance irgendwas zu kaufen, was sollten wir auch z.B. mit einen 1,5m langen geräucherten Wels?

Unterwegs haben wir auch in Rschew Halt gemacht. Dieser Ort war im 2. Weltkrieg der am meist umkämpfte Gebiet und einer der wichtigsten militärischen strategischen Punkte. Das konnte man auch nicht übersehen, durch die vielen Panzer und Statuen in und ausserhalb der Stadt. Die Panzer gehören aber eigentlich zum normalen Stadtbild in Russland.

Am 09.Mai war im Russland Ausnahmezustand: Feier zum Tag des Sieges! Und ich habe gedacht der ganze Aufwand wäre nur deswegen, weil wir zufällig am selben Tag auch mein 40.ten gefeiert haben ;)….an einer Tankstelle haben wir je ein Sankt-Georgs-Band geschenkt bekommen, mit der wir noch heute rumfahren…Ach ja mein 40.ten haben wir in einen kleinen Motel an der Strasse verbracht, ganz unspektakulär. Da das spektakuläre eigentlich die ganze Reise an sich ist, habe ich bereits alles bekommen an Geschenken, was man sich wünschen kann. Und wer kann vor sich von behaupten sein 40.ten in Russland auf Weltreise zu feiern? Danke übrigens an alle, die an mich gedacht haben

Leider passierte auch das, was hätte nie passieren sollen: Sonja wurde von  ein Auto angefahren. Gleich vorab, es ist nicht viel passiert ( zum Glück ). Aber ein Schock war das alle mal. Wir sind auf der Strasse immer auf der abgetrennten Standstreifen gefahren. Leider benutzen das auch viele Autofahrer um rechts zu überholen. Ein ältere Herr hat jemanden Platz gemacht, der links überholen wollte und ist auf diese Streifen ausgewichen und dabei Sonja übersehen. Er hat Sie mit dem Rückspiegel gestreift und zwei Taschen abgerissen und Sie von Rad geholt. Sofort waren zwei Motorradfahrer zur Stelle um mit zu helfen. Zum Glück ausser ein paar Schürfwunden, blaue Flecken und der Schock ist nichts weiter passiert. Das Rad hat es auch ganz gut verkraftet, wobei doch die zwei Taschen ziemlich kaputt waren. Wir haben mit dem Herren über eine halbe Stunde diskutiert, wobei wir ihn nicht verstanden haben und dann entnervt auf den Fahrrad wieder aufgestiegen sind um unseren Motel zu erreichen in 7 km…wir hatten ja schon 100 in den Beinen zu der Zeitpunkt. Er hat uns dann nochmal angehalten und hat uns umgerechnet 400€ als Entschädigung angeboten, mit der ausdrücklichen Bitte die Polizei nicht zu benachrichtigen und sein Entschuldigung anzunehmen. Naja sarkastisch gesehen war das Glück im Unglück, da uns sowieso Geld fehlte. Zuerst wollten wir das nicht annehmen,  da das ganze hätte auch viel schlimmer enden können. Im zweiten Augenblick dachten wir: naja so kurz vor Moskau hilft uns diese Spende auch etwas weiter…. Also Geld eingesteckt, Wunden geleckt, Abends Wodka und Bier auf die Schmerzen und weiter gehts. Wir waren die nächsten Tage viel mehr vorsichtiger und haben mehr in den Rückspiegel als nach vorne geschaut. Auch der Verkehr hat stetig zugenommen, je näher wir Moskau gekommen sind.

Alles in allem sind wir recht gut über die Strasse nach Moskau gekommen . Dazu aber mehr in den nächsten Blogeintrag. LG Grüße an alle von Sonja und Aki